Gedanken zur Covid-19 Impfung

Vorbemerkung: Als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut kann ich über psychische Probleme qualifiziert Auskunft geben. Es steht mir nicht zu, körperliche Risiken zu beurteilen oder eine Aussage darüber zu treffen, ob ein Kind oder Jugendlicher aus ärztlicher Sicht geimpft werden sollte. Besprechen Sie daher eine mögliche Impfung unbedingt mit dem Haus- oder Kinderarzt Ihres Kindes.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit wie folgt:

Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.

Es geht also nicht nur darum, dass jemand nicht erkrankt ist (z.B. an Covid-19), sondern dass er oder sie sich eines körperlichen und auch psychischen und sozialen Wohlbefindens erfreut. Für Kinder und Jugendliche gehören zu einem gesunden Leben somit auch Teilhabe an Schule und Bildung, Treffen mit Freunden, die Freiheit, sich draußen zu bewegen zu können, am Fußballtraining teilzunehmen, die Jugendgruppe zu besuchen uvm.

Durch Maßnahmen der Pandemieeindämmung wurde die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen teils massiv eingeschränkt. Ich habe immer wieder erlebt, dass Kinder und Jugendliche mehrfach hintereinander in 14-tägige Quarantäne mussten (ohne Möglichkeit, sich „freizutesten“) oder dass sie monatelang nur „rumhingen“, weil weder Schulbesuch möglich war noch Treffen mit Freunden oder Teilnahme an Sportangeboten. Weiterhin werden (leider) ab 01.01.2022 ungeimpfte Kinder ab 12 Jahren kaum noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – ähnliches erwarte ich in einigen Monaten auch für die 5-11-Jährigen.

Im Gegensatz dazu bieten die aktuellen Regelungen die Möglichkeit, dass geimpfte Kinder und Jugendliche relativ normal an Schule und Freizeitangeboten teilnehmen können. Je mehr Kinder und Jugendliche wirksam geschützt sind, desto mehr profitieren auch Kinder und Jugendliche, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Sie dazu anregen, dass Sie neben möglichen körperlichen Nebenwirkungen und Risiken der Impfung auch die Einschränkungen einbeziehen, die für ungeimpfte Kinder und Jugendliche bestehen. Das sind quasi die „Nebenwirkungen“, die aus der Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, resultieren.

Was mir auch Sorgen bereitet: Wir wissen noch zu wenig darüber, wie sich Langzeitfolgen einer Covid-19 Infektion auf Kinder und Jugendliche auswirken. Erste Ergebnisse einer großen Studie der TU Dresden gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen verweisen darauf, dass es mögliche Langzeitfolgen einer Corona-Infektion bei Kindern und Jugendlichen gibt. Hierunter fallen auch psychische Probleme – das Erkrankungsrisiko ist nach einer Corona-Infektion für einige psychische Störungen deutlich erhöht. Auch diese möglichen Langzeitfolgen sollten in die Entscheidung, ob Sie Ihr Kind impfen lassen, mit einfließen. Im Endeffekt heißt die Entscheidung gerade: Impfung oder Infektion, was auch der STIKO-Vorsitzende aktuell einräumen musste.

Unerwünschte Wirkungen und Nebenwirkungen der Impfung bestehen, allerdings sind schwere Nebenwirkungen sehr selten. Sie können hierüber Informationen auf der Seite des RKI (externer Link; Online-Angebot des RKI) und auf der Seite des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (externer Link; Online-Angebot des BVKJ e.V.) nachlesen. Aus meiner Sicht wiegen die Risiken, im dritten Jahr in Folge immer wieder in Quarantäne zu müssen, dem Schulunterricht nicht uneingeschränkt folgen zu können, wieder ganz oder teilweise von Gleichaltrigen isoliert zu sein oder auch nach einer Covid-19 Infektion eine psychische Störung zu bekommen, mindestens so schwer wie das Risiko von sehr seltenen Nebenwirkungen der Impfung (die, wenn sie auftreten, durch ärztliche Betreuung auch beherrschbar sind).

Ich weiß, dass Sie es sich bei der Entscheidung, Ihr Kind impfen zu lassen, nicht leicht machen. Ich hoffe, dass meine Überlegungen Ihnen dabei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Bitte suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Haus- oder Kinderarzt – ich bin mir sicher, dass Sie dort eine kompetente und hilfreiche Beratung erhalten.

Gerne stehe ich Ihnen auch im persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Wenn Sie sich über die von mir genannte Studie informieren wollen, folgen Sie bitte diesem Link (externer Link; Online-Angebot der TU Dresden).

Stand: 10.12.2021